Organismische Biologie
Ökologie und Verhaltensbiologie
LfbA
AR-D 6015
nach Vereinbarung
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Institut für Biologie
Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät
Universität Siegen
Adolf-Reichwein-Str. 2
D-57068 Siegen

CV
Positionen
  • seit 2017: LfbA, AG Ökologie und Verhaltensbiologie,
    Prof. Dr. Klaudia Witte, Universität Siegen
  • 2018 – 2019: Wissenschaftliche Mitarbeiterin,
    Abt. für vergleichende Neuroanatomie, Prof. Dr. Michael Hofmann, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • 2017 – 2018: Wissenschaftliche Mitarbeiterin,
    Abt. für Neuroethologie/Sensorische Ökologie, Prof. Dr. Gerhard von der Emde, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • 2014 – 2017: Wissenschaftliche Mitarbeiterin,
    Abt. für vergleichende Sinnes- und Neurobiologie, Prof. Dr. Horst Bleckmann, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • 2006 – 2014: SHK und WHK an den Instituten für Zoologie, Evolutionsbiologie, LIMES, Forschungsmuseum Alexander König (ZFMK; Ichthyologie), Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Studium
  • 2012 – 2016: Promotion zum Thema Neuroethologische Untersuchungen der kognitiven Fähigkeiten der Elasmobranchii am Beispiel juveniler Bambushaie (Chiloscyllium griseum), gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (SCHL1919/4-1);
    Abt. Prof. Dr. Horst Bleckmann, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • 2006 – 2011: Studium der Biologie (Diplom),
    Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • 2000 – 2003: Studium der Betriebswirtschaftslehre (Diplom), FHDW Bergisch Gladbach und Universität Maastricht (NL)
Forschung

Viele Verhaltensweisen entstehen aus der Interaktion zwischen Individuen und ihrer Umwelt (z.B. Freund und Feind, mögliche Paarungspartner, Konkurrenten, dominante oder unterwürfige Artgenossen, Prädatoren). Entsprechend basieren viele Verhaltensweisen nicht nur auf angeborenem Verhalten, sondern auch auf erlerntem Verhalten wie beispielsweise auf eigenen Erfahrungen oder auf dem Beobachten von Artgenossen. Die wichtigsten Mechanismen, die das Verhalten aller Tiere in ihrer Umwelt beeinflusst, sind die Fähigkeiten zu lernen und zu erinnern: Lernen ist der Prozess, bei dem (neues) Wissen, verschiedene Aspekte und Informationen über unsere Umgebung erworben werden, während das Gedächtnis das erworbene Wissen kodiert, speichert und situationsbedingt wieder abrufbar macht. Damit ist Lernen also unerlässlich für jede flexible Verhaltensanpassung, der sogenannten ‚Verhaltensplastizität‘.

Die Verhaltensplastizität basiert auf der sogenannten ‚Neuroplastizität‘ des Gehirns. Die Grundlage der Neuroplastizität bilden vielfältige molekulare, zelluläre und neuroanatomische Anpassungsmechanismen. Im menschlichen Gehirn beispielsweise befinden sich etwa 100 Milliarden Nervenzellen (Neurone), die über Axone und Dendriten miteinander vernetzt sind. Innerhalb des Gehirns ist die Verknüpfung der Neurone aber nicht unveränderlich, sondern es bilden sich je nach Aktivität neue Assoziationen, die kontinuierlich durch Lernen und Erfahrung beeinflusst, geschwächt oder verstärkt werden können (sogenannte ‚strukturelle und synaptische Modifikationen‘). Dies passiert nicht nur zwischen zwei Neuronen, sondern insbesondere in komplexen neuronalen Netzwerken. Je nachdem in welchem Gehirnbereich sich die Neurone befinden, übernehmen Neuronengruppen (‚Kerngebiete‘) beispielsweise ganz bestimmte (Teil-) Aufgaben oder speichern neue Informationen abrufbereit ab. Diese Prozesse sind eine Grundvoraussetzung für jede Art des Lernens und Gedächtnisses bei allen Wirbeltieren – vom Fisch bis zum Mensch. Die Neuroethologie bildet die Schnittstelle dieser Forschungsgebiete und verbindet die Methoden der Verhaltensforschung mit denen der Neurobiologie und der Sinnesphysiologie. Nachdem ich mich einige Jahre mit den visuellen Fähigkeiten, den zugrundeliegenden Mechanismen beim Lernen und Gedächtnis und dem Zusammenspiel und Aufbau der beteiligten Gehirngebiete der Bambushaie (Hemiscylliidae) beschäftigt habe, liegt mein Forschungsschwerpunkt an der Uni Siegen derzeit auf der Untersuchung kognitiver geschlechtsspezifischer Unterschiede verschiedener Zahnkärpflinge (Poeciliidae), ihren Fähigkeiten beim individuellen ‚trial & error‘-Lernen, sozialem Lernen und ihrer (geschlechtsspezifischen) kognitiven Verhaltensflexibilität. Weitere neuroethologische Experimente werden folgen, um auch hier herauszufinden, welche Gehirngebiete eine Rolle spielen.

Meine Forschung beschäftigt sich also mit der engen Assoziation von Verhalten und Neurobiologie. Was passiert in der ‚Blackbox Gehirn‘ in unterschiedlichen Situationen wie etwa der Orientierung im Raum, visueller Diskriminierung von verschiedensten (lebenden) Objekten oder bei der Interaktion im komplexen Sozialverband mit Artgenossen, Freund oder Feind? Wie kann ein Fisch all diese Aufgaben bewältigen, obwohl sein Gehirn ca. 10.000x kleiner ist als unser menschliches Gehirn und nicht über einen das Säugetiergehirn prägenden Neocortex verfügt? Wie also ist die ‚Software‘ hinter dem Verhalten aufgebaut und organisiert?

Lust mitzumachen? Lust und Spaß, während der Masterarbeit Verhaltensversuche zu verschiedenen Fragestellungen an Guppies und Atlantikmollies durchzuführen? Dann sprechen Sie mich an! Bachelor- und Masterarbeiten sind nach Absprache jederzeit möglich.

Publikationen
Artikel in Fachzeitschriften
  • Fuss, T., & Witte, K. (2019). (Under)water love—linking mate choice and cognition in fish and frogs. Current Zoology, 65(3), 279–284. https://doi.org/10.1093/cz/zoz030
  • Fuss, T., & Witte, K. (2019). Sex differences in color discrimination and serial reversal learning in mollies and guppies. Current Zoology, (3). https://doi.org/10.1093/cz/zoz029/5492623
  • Fuss, T., Nöbel, S., & Witte, K. (2019). It’s in the eye of the beholder: visual lateralisation in response to the social environment in poeciliids. Journal of Fish Biology. https://doi.org/10.1111/jfb.13953
  • Fuss, T., & Schluessel, V. (2018). Immediate early gene expression related to learning and retention of a visual discrimination task in bamboo sharks (Chiloscyllium griseum). Brain Structure and Function, 223(9), 3975–4003. https://doi.org/10.1007/s00429-018-1728-8
  • Fuss, T., John, L., & Schluessel, V. (2018). Same or different? Abstract relational concept use in juvenile bamboo sharks and Malawi cichlids. Current Zoology. https://doi.org/10.1093/cz/zoy059
  • Fuss, T., & Schluessel, V. (2017). The Ebbinghaus illusion in the gray bamboo shark (Chiloscyllium griseum) in comparison to the teleost damselfish (Chromis chromis). Zoology, 123, 16–29. https://doi.org/10.1016/j.zool.2017.05.006
  • Fuss, T., Russnak, V., Stehr, K., & Schluessel, V. (2017). World in Motion: Perception and Discrimination of Movement in Juvenile Grey Bamboo Sharks (Chiloscyllium griseum). Animal Behavior and Cognition, 4(3), 223–241. https://doi.org/10.26451/abc.04.03.03.2017
  • Fuss, T., & Schluessel, V. (2015). Something worth remembering: visual discrimination in sharks. Animal Cognition, 18(2), 463–471. https://doi.org/10.1007/s10071-014-0815-3
  • Fuss, T., Bleckmann, H., & Schluessel, V. (2014). The brain creates illusions not just for us: sharks (Chiloscyllium griseum) can see the magic as well. Frontiers in Neural Circuits, 8. https://doi.org/10.3389/fncir.2014.00024
  • Fuss, T., Bleckmann, H., & Schluessel, V. (2014). Visual discrimination abilities in the gray bamboo shark (Chiloscyllium griseum). Zoology, 117(2), 104–111. https://doi.org/10.1016/j.zool.2013.10.009
  • Fuss, T., Bleckmann, H., & Schluessel, V. (2014). Place learning prior to and after telencephalon ablation in bamboo and coral cat sharks (Chiloscyllium griseum and Atelomycterus marmoratus). Journal of Comparative Physiology A: Neuroethology, Sensory, Neural, and Behavioral Physiology, 200(1), 37–52. https://doi.org/10.1007/s00359-013-0859-x
  • Fuss, T., Bleckmann, H., & Schluessel, V. (2014). The shark Chiloscyllium griseum can orient using turn responses before and after partial telencephalon ablation. Journal of Comparative Physiology A: Neuroethology, Sensory, Neural, and Behavioral Physiology, 200(1), 19–35. https://doi.org/10.1007/s00359-013-0858-y
Lehrveranstaltungen
WS
  • EVA.3 / EVA.4 – Evolution & Verhaltensbiologie
  • Zoologische und Zellbiologische Übung (Biomed Tech)
  • VMA – Partnerwahlstrategien im Tierreich
  • BVO.1 – Biologische Exkursionsseminare (Tagesexkursionen)
SS
  • BÖK.2 – Experimente zur Ökologie
Ganzjährig
  • Bachelor- und Masterarbeiten
Mitgliedschaften
Mitgliedschaften
  • Deutsche Zoologische Gesellschaft (DZG)
  • Ethologische Gesellschaft e.V.
Wissenschaftliche Dienste
  • Guest Editor ‚Biology / MDPI
  • Guest Editor ‚Current Zoology
  • Reviewer für ‚Animal Behaviour
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